Pressemitteilung

Juli 1997

Was ist Capoeira?

Capoeira ist eine Kampfkunst aus Brasilien. Heute wird die Auffassung vertreten, daß angolanische Sklaven, die seit Beginn des 16. Jahrhunderts nach Brasilien gebracht wurden, ausgehend von traditionellen angolanischen Tänzen und Riten, die Capoeira entwickelten. Es wird angenommen, daß die Sklaven sich mit der Capoeira in den freien Minuten vergnügten und gleichzeitig Körper und Geist für Kampfsituationen schulten. Da die Sklavenherren die Ausübung eines Kampfes verboten, mußte den gefährlichen Bewegungen der Capoeira ein tänzerischer Charakter gegeben werden.

Im 17. Jahrhundert gründeten entflohene Sklaven etliche Quilombos (selbstverwaltete Gebiete), in denen sich die Capoeira weiterentwickeln konnte. Die Bewohner von Palmares, dem bekanntesten Quilombo, führten einen jahrzehntelangen Krieg mit den von den Kolonisatoren eingesetzten Verfolgern. Die ehemaligen Sklaven setzten Capoeira nicht nur im direkten Kampf ein, auch ihre Kampftechnik wies Züge der Capoeira auf: scheinbares Aufgeben durch Zurückweichen in ihnen bekannte Gebiete, um dann die Verfolger mit einem Überraschungsangriff zu überwältigen.

Auch nach Abschaffung der Sklaverei war die Capoeira weiterhin verboten. In den Städten wurde dennoch von der armen Bevölkerung bei Straßenfesten, in den Arbeitspausen und bei anderen Gelegenheiten Capoeira auf der Straße gespielt, wobei es nicht nur durch das Eingreifen der Polizei häufig zu Tumulten kam. Durch härteste Verfolgung und Bestrafung der Capoeiristas verschwand die Capoeira in den 20er Jahren nahezu vom Straßenbild.

Trotz des Verbotes wurden in Salvador von Mestre Bimba und Mestre Pastinha die ersten Capoeira-Schulen gegründet. Mestre Bimba kreierte durch hinzufügen weiterer Bewegungen einen neuen Stil, die Capoeira Regional (in Abgrenzung zu der traditionellen Capoeira Angola), und es gelang ihm, die politischen Machthaber vom kulturellen Wert der Capoeira zu überzeugen.

Anders als z.B. in asiatischen Kampfkünsten bezieht die Capoeira ihre Kraft und Energie aus der Musik. Die Musiker und alle weiteren Capoeiristas bilden einen Kreis, die Roda de Capoeira, in dem sich zwei Capeiristas begegnen, um die erlernten Bewegungen im freien Spiel zu praktizieren. Ziel des Spieles ist es nicht, den Anderen durch Aggression zu "besiegen", sondern sich in gekonntem Zusammenspiel durch geistige und körperliche Geschicklichkeit und Schnelligkeit die Grenzen aufzuzeigen.

Capoeira - wo Intuition und Improvisation gefragt sind, treffen die Gegensätze aufeinander: Kämpfen und Spielen, Aggressivität und Poesie, die Eleganz des Tanzes, die geschmeidige Kraft der Akrobatik, der Rhythmus der Musik und die Effektivität des Kampfes.

Paulo Siqueira

Paulo Siqueira, geboren 1955 in Rio de Janeiro, lernte Capoeira im Alter von 12 Jahren kennen. Mit 18 Jahren entschied er sich, ernsthaft Capoeira zu betreiben und lernte bei Mestre Adilson und seiner Gruppe "Bantus de Angola".

Die Schule von Mestre Adilson befand sich in Morro Pavãozinho / Rio de Janeiro. Nach 5 Jahren intensiven Trainings begann Paulo Siqueira als Lehrer bei seinem Meister Adilson andere Schüler zu unterrichten und bildete kleinere Gruppen, mit denen er arbeiten konnte.

1980 ging Paulo Siqueira nach Deutschland, um auch hier Capoeira bekannt zu machen und beim Aufbau von Gruppen in Europa behilflich zu sein. Er beteiligte sich bei vielen Workshops und reiste durch ganz Europa, um mit anderen Capoeiristas gemeinsame Veranstaltungen und Auftritte durchzuführen.

1988 organisierte er in Hamburg das 2. Internationale Capoeira Sommermeeting und veranstaltete damit das größte Capoeira-Treffen außerhalb Brasiliens. Das Sommermeeting findet seither regelmäßig jedes Jahr im Juli statt.

Paulo Siqueira organisierte bereits größere Auftritte für Capoeira

  • in der "Fabrik" in Hamburg und dem "Modernes" in Bremen,
  • als Teilnehmer bei der großen Budo-Gala ("Budo Satellite, The Magic of Martial Arts", als Video im Handel erhältlich) in Frankfurt, Essen und München,
  • als Teilnehmer bei "Sport Kulturen der Welt", 1. Internationales Festival in Bonn, bei welchem mehr als 36 Nationen vertreten waren
  • und an der Leichtatlethik-WM in Stuttgart als Vorprogramm der täglichen Talkshow mit den WM-Stars.

Vor einigen Jahren gründete er seine Capoeira-Schule, die er "Escola de Capoeira Nzinga" nannte, in Hamburg und Hannover.

Die Welt (20.11.1988) sowie das ZDF (22.3.1987) und andere berichteten bereits ausführlich über die Arbeit von Paulo Siqueira.

Geplante Auftritte im Sommer 1997:

  • Eröffnung der 5. Internationalen Konferenz für Erwachsenenbildung (CONFINTEA) der UNESCO im Kongresszentrum Hamburg
  • 12. Internationales Capoeira Sommermeeting (Lehrgang) vom 21. - 26.7.1997 in Hamburg mit ca. 30 Lehrern und Meistern aus Europa, USA, Canada und Brasilien und Teilnehmern aus ganz Europa
  • 26.7.1997 Capoeira-Performance in der Fabrik in Hamburg.

Als Musiker wurde Paulo Siqueira mit der Gruppe Favela bekannt, deren Begründer er auch war, und veröffentlichte ein Album mit dem Titel "The Voice of Capoeira".

Ein weiteres wichtiges Projekt von Paulo Siqueira ist die Gruppe "Abolicão, Capoeira und Afro-Brasilianische Musik", mit der er viele Auftritte durchführte.


HOME NEWS HISTORY ABOUT EVENTS SCHOOLS ARTICLES
GUESTBOOK NOVIDADES NEWSLETTERS SOBRE LITERATURE MEDIA LINKS

Copyright © 1997 CapoEuropa, Last Updated: Aug 28, 1997
http://www.paulosiqueira.de/presse97.htm